Grünflächen
Bäume unter Zugzwang

Grünflächen

Bei einigen Bäumen ist es erforderlich, eingehende Untersuchungen zu veranlassen, um die Stand- und Verkehrssicherheit eines Baumes rechtlich gesichert beurteilen zu können.
Da diese Maßnahmen nicht zum Tagesgeschäft gehören, sind es immer Einzelfallentscheidungen. Diese werden dann von externen Gutachtern oder Sachverständigen getroffen. Am häufigsten kommen dabei die Impuls- oder Schalltomografie, die Widerstandsmessung mittels Resistograf und der Zugtest zur Anwendung. Letzterer misst, wie sich ein Baum unter (Zug-)Belastung verhält bzw. neigt. Aus der Hochrechnung der Messergebnisse resultiert eine Grundsicherheit bei maximaler Windlast (Windstärke 12 = 100 Prozent). In Deutschland darf das Ergebnis nicht unter 150 Prozent liegen, damit ein Baum als standsicher eingestuft werden kann. Ältere und größere Bäume haben allein durch ihre Masse eine größere Grundsicherheit (ca. 800 Prozent) als dünne, jüngere Bäume. Sie müssen also stark geschädigt sein, um diesen Grenzwert zu unterschreiten.
Tests im Morianswäldchen
Zuletzt wurden im Dezember 2025 mit großer Dringlichkeit die Bäume im sogenannten Morianswäldchen in Duisburg-Hamborn dem Zugtest ausgesetzt. Kurz zuvor und auch bereits in der Vergangenheit waren in räumlicher Nähe einfach Bäume umgefallen oder gebrochen. Erst zerstörte ein umgefallener Baum eine Gartenmauer und zuletzt traf es das Hamborner Finanzamt, weil ein Stamm durch Sonnenbrand und Pilzbefall gebrochen und in die Fassade gekippt ist. Bei der Beseitigung der Baumteile stellte man dann einen starken Befall mit dem Riesenporling fest. Das ist ein Pilz, der bevorzugt alte Buchen angreift und die Wurzeln bis zum Stammfuß abbaut. Bis er durch die Ausbildung von Fruchtkörpern zu erkennen ist, hat er über Jahre die stabilisierenden Bestandteile der Wurzeln abgebaut und die Nährstoffbahnen angegriffen. Unterirdisch kann er sich über das Wurzelwerk unbemerkt ausbreiten und so weitere Bäume in der Umgebung heimsuchen. Im Fall des Morianswäldchens bestätigte sich dieser Verdacht für fast alle Bäume.


Der Zugtest quittierte das mit Werten von weit unter 150 Prozent bei 22 von 25 untersuchten Bäumen und 150 Prozent bei einem Baum. Erste waren demzufolge weder stand- noch verkehrssicher und mussten gefällt werden. Da Buchen sehr empfindlich reagieren, wenn die Krone zurückgeschnitten wird, um die Standsicherheit zu erhöhen, wurde auch der Baum mit 150 Prozent gefällt. Die verbliebenen zwei Bäume hatten noch Werte von deutlich über 200 Prozent erreicht und weisen eine ausreichende Vitalität auf, um weitere Jahre sicher zu wachsen.
Prüfen Sie die Bäume auf Ihrem Grundstück
Sollten Sie Bäume auf dem eigenen Grundstück haben, empfehlen wir Ihnen, diese regelmäßig etwas genauer zu betrachten. Ist der Baum belaubt, prüfen Sie, ob die Blätter in gleicher Menge und Größe wie im Vorjahr vorhanden sind. Wachsen Pilze im Umfeld des Baumes? Gibt es Schäden am Stamm? In unbelaubtem Zustand schauen Sie, ob die Krone gleichmäßig wächst oder ob es herunterhängende Äste oder Löcher durch Spechte gibt. Wenn Sie Veränderungen wahrnehmen, verlassen Sie sich nicht allein auf das Internet. Nehmen Sie professionelle Hilfe in Anspruch, denn viele Indizien sind für Laien nicht erkennbar und können zur Gefahr für alle werden.
