Infrastruktur

Der OB-Karl-Lehr-Brückenzug ist wieder offen

Nach einer rund sieben Wochen langen Vollsperrung wurde die zentrale Verbindung für Duisburg wieder freigegeben.

Luftaufnahme der OB-Karl-Lehr-Brücke mit zwei großen Stahlbögen über einen Fluss und einer Baustelle im Vordergrund

Ein Meilenstein für die Verkehrsinfrastruktur

Im Juni dieses Jahres war es so weit. Der OB-Karl-Lehr-Brückenzug, bestehend aus fünf Überführungen, wurde wiedereröffnet und für alle Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer freigegeben. Die elementare Verbindung zwischen Ruhrort und Kaßlerfeld ist für die nächsten 100 Jahre gesichert. Die Verbindung ist insbesondere für die Anwohnerschaft und Pendlerinnen und Pendler sowie für die Anbindung des Duisburger Hafens an die A40 von großer Bedeutung.

Betrachtet man die Elemente dieser zentralen Verkehrsachse von Nord (Ruhrort) nach Süd (Kaßlerfeld), ergibt sich folgendes Bild: 2014 wurden die ersten beiden Brücken, die Vinckekanalbrücke und die Vinckewegbrücke, ausgetauscht. Die sich anschließende Kaiserhafenbrücke wurde durch einen Erdbaudamm ersetzt und 2023 abgerissen. In der Zwischenzeit wurden die Hafenkanalbrücke, die die Ruhrinsel und den Pontwert verbindet, sowie die Ruhrbrücke, die zwischen Pontwert und Kaßlerfeld liegt, von 2020 bis 2022 auf einer Vormontagefläche zusammengebaut. Anschließend schoben die Fachleute die neuen Brücken in ihre vorläufige Position und gaben sie Ende 2023 für den Verkehr frei. 2024 wurden die alten Bauwerke zurückgebaut und abgetragen. Im Frühjahr 2025 verschoben die Fachleute beide Brücken rund 34 Meter in ihre endgültige Lage. Der verbleibende Bauabschnitt zum Anschluss der westlichen Rampenbauwerke soll bis zum Herbst fertiggestellt werden.

Luftaufnahme der Baustelle an der OB-Karl-Lehr-Brücke über einem Fluss mit Baumaschinen und Baustellenmaterialien auf der Fahrbahn und am Ufer

Besondere Herausforderungen beim Bau

Der Bau des OB-Karl-Lehr-Brückenzugs war außergewöhnlich anspruchsvoll, weil mehrere technische, logistische und verkehrliche Herausforderungen gleichzeitig bewältigt werden mussten. Bereits vor dem eigentlichen Brückenbau entstand unter dem Hafenkanal ein rund 220 Meter langer Leitungsdüker in etwa 28 Metern Tiefe.

Wer sich auf der Website zum Projekt informiert, bekommt einen Einblick in die Komplexität der Planungen und Maßnahmen, die beim Bau-Projektmanagement über diesen langen Zeitraum ineinandergreifen mussten, damit sie zum heutigen Ergebnis führen konnten. 

Die Bauphasen fanden über viele Jahre bei laufendem Verkehr statt – ohne die Verbindung vollständig zu unterbrechen. Die Phase der Vollsperrung war im Vergleich dazu nur kurz. 

Schwierig gestalteten sich die Arbeiten an Pfeilern und Widerlagern im Wasser sowie in unmittelbarer Nähe zu Schifffahrt und Hafenbetrieb. Hinzu kamen umfangreiche Arbeiten an Rampen, Gleisen und Straßenanschlüssen. Zusätzliche Kampfmitteluntersuchungen, Material- und Lieferengpässe sowie Niedrigwasser verzögerten den Bauablauf. Eine besondere technische Leistung war es, die neuen Brücken zunächst neben den bestehenden Bauwerken zu errichten und anschließend an ihre endgültige Position zu verschieben. Der rund 34 Meter lange Querverschub erfolgte mit hoher Präzision. 

Im Sommer 2027 beginnt der letzte Bauabschnitt. Dann wird der Kreisverkehr in Kaßlerfeld zu einer Kreuzung umgebaut. Der Abschluss der Arbeiten ist für Ende 2028 vorgesehen. Damit endet eines der größten Brückenbauprojekte der vergangenen Jahre in Duisburg.